erschienen in systhema 14 (2)

 

Hargens, J. , Eberling, W.[Hrsg.](2000): Einfach, kurz und gut -  Teil 2. Ressourcen erkennen und nutzen. Dortmund: Borgmann, 232 S., DM 38,-

Vier Jahre nach Erscheinen des ersten Bandes kommt der zweite Band zu einem Zeitpunkt, zu dem Lösungsorientierung in viele psychosoziale Handlungsfelder Einzug hält. So zeigt der Praxis -Theorie - Projekte -Teil des Buches, dass Aspekte lösungsorientierten Arbeitens vielfältig nutzbar sind: unter anderem  in einem Beitrag von Vogt-Hillmann, Burr u.a. über Kurzzeittherapie bei Kinderängsten, in dem - schön zu lesen- beschrieben wird, wie in der Kinder in der Therapie Lösungsschritte als Cartoon malen. Beeindruckt hat mich in  Fries Beitrag  über lösungsorientiertes Arbeiten mit  Familien von Schreibabys die Wertschätzung der  Ressourcen und der Kompetenz der Familie und die respektvolle Vorgehensweise, die eine Abkehr vom Defizitblick ermöglicht. Ebenso finden sich Beispiele aus der Arbeit mit Gruppen von essgestörten Frauen, lösungsorientierte Moderation im Bereich von Kindergartenteams und sozialem Dienst, Arbeit mit Mitarbeitern eines Behindertenheims, Thesen zur lösungsorientierten Erziehungsberatung und ein Beitrag über interdisziplinäre Konsultation. Obwohl sich der lösungsorientiert Faden durch die Beiträge zieht, machen gerade die Unterschiede neugierig und diesen Teil des Buches lesenswert.

Wichtiger aber als die Buntheit der Arbeitsfelder scheint mir die im Theorieteil deutlich werdende Fokussierung auf die Haltung und Person des Beraters/Therapeuten zu liegen. Dieser Aspekt ist mir besonders wichtig an dem Buch. Lösungsorientierte Kurzzeittherapie, das zeigen die Autoren der Theorie-Praxis-Projekte in ihrer Verschiedenheit gemeinsam deutlich, verkommt nicht zur Anwendung praktikabler Techniken, mit denen man kurz (schnell) ans Ziel gelangt.

J. Hargens betont in seinem Beitrag, dass die in der lösungs- und ressourcenorientierte Therapie "eher etwas mit dem Umsetzen und Verwirklichen von Haltungen als mit dem Anwenden von Techniken zu tun hat" (S. 26). Möglichkeiten statt Lösungen, Einladung zum Perspektivenwechsel, erreicht über das Sprechen im Konjunktiv. 

Wolfgang Loth macht in seinem Beitrag deutlich, dass die Prämissen lösungsorientierten Arbeitens wesentlich schwieriger und anspruchsvoller sind als die scheinbar leichte Lernbarkeit der Techniken glauben lässt. Klienten wieder zum Wundern zu verhelfen braucht vor allem eine wunder-bare  Haltung des Therapeuten. Die kann man nicht in der Therapie gegenüber den Klienten anziehen und dann „im eigenen Leben“ den Problemen und ihrer Lösung den Raum  geben. Haltung wird erworben als Systemkompetenz, in kontext- und handlungsgebundener Selbsterfahrung. 

J. Hesse spürt in seinem Beitrag den Ressourcen nach, die therapieschulenunabhängig der wesentliche Veränderungsfaktor in hilfreicher Therapie sind. Der Klient mit seinen Ressourcen und nicht die Methode machen Therapieerfolg aus. Dies legen Forschungsergebnisse beeindruckend nahe.

Ich empfehle dieses Buch allen, die sich mit lösungsorientierter Therapie beschäftigen. Es ermuntert, lösungsorientierte Ideen auch im eigenen Arbeitsfeld zu nutzen und regt zugleich an, sich dabei mit der entscheidenden Prämisse auseinander zu setzen: der respektvollen Haltung.

 

Cornelia Tsirigotis (Aachen)